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Suprathel®

- ein innovativer Epithelersatz zur Behandlung von Brandverletzungen

In Hinsicht auf therapeutische Konsequenzen unterscheiden wir bei der Behandlung Schwerbrandverletzter 2 Patientengruppen.

Bei der einen Gruppe handelt es sich um großflächige Verbrennungen, die man überwiegend als oberflächlich- bis tief-2.-gradig einstufen kann, bei denen also prinzipiell noch eine Regeneration der Haut möglich ist. Die andere Gruppe umfasst Schwerbrandverletzte mit größeren Arealen 3.-gradiger Verbrennungen, die in jedem Fall einen Hautersatz benötigen. Man ist sich in allen Verbrennungszentren darüber einig, dass bei der ersten Gruppe die Indikation zur Transplantation mit Eigenhaut zunächst zurückhaltend gestellt werden sollte, um nicht mehr als unbedingt notwendig Haut entnehmen zu müssen. Auch entstehen in den Randpartien solcher eher oberflächlicher Verbrennungen und Verbrühungen unnötige Narben dadurch, dass das Eigenhauttransplantat von der abheilenden Epithelschicht über die Oberfläche angehoben wird (sogenanntes "Overgrafting").

In der wohlmeinenden Absicht, 2.gradige Verbrennungen konservativ zu behandeln, werden aber auch heute noch entsprechende Brandverletzte mit täglichen Bädern in Teilnarkose und mit desinfizierenden Salben behandelt. Eine solche Behandlung ist aufwändig und für die Patienten sehr schmerzhaft. Dazu kommt, dass die derzeit gebräuchlichen Salben einen nachgewiesenen heilungshemmenden Effekt auf das nachwachsende Epithel haben. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass in vielen Verbrennungszentren Permanent-Verbände verwendet werden, die man längere Zeit auf der Wunde belassen kann.

Bei den bisher gebräuchlichen Materialien unterscheidet man die künstlich hergestellten von den biologischen Substanzen.

Bei letzteren kommen vor allem lyophilisierte Schweinehaut, menschliche Leichenhaut und menschliche Eihaut (Amnion) zur Anwendung. Amnion wurde vielfach bei Kindern auf Verbrühungen angewendet. Allen 3 Materialien ist das nie ganz auszuschließende Restrisiko einer Krankheitsübertragung gemeinsam. Immerhin konnte aber v.a. durch Amnion eine gute Wundheilung bei geringer Schmerzhaftigkeit der Wundoberfläche erreicht werden. Die bisher gebräuchlichen, künstlich hergestellten Materialien haben zwar überwiegend kein biologisches Risiko, können aber in der Handhabung nicht befriedigen. Unter Folienmaterialien kommt es häufig zu Infekten.

Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Textilforschung und Verfahrenstechnik in Denkendorf und der Klinik für Unfallchirurgie am Marienhospital Stuttgart wurde ein Projekt gestartet, das die Entwicklung eines neuartigen Permanentverbandes zum Ziel hatte. Diese Material sollte die Vorteile der biologischen und der künstlich hergestellten Substanzen ohne deren Nachteile verbinden.

Im Jahre 2004 wurde Suprathel auf dem deutschen und dem österreichischen Markt eingeführt.

Suprathel ist eine Membran aus Polylactid, besteht also im wesentlichen aus Milchsäure. Es ist damit resorbierbar, es löst sich nach ca. 4 Wochen auf einer Wunde in Wasser und Kohlendioxid auf. In den für die Zulassung notwendigen Studien, die am Marienhospital Stuttgart und am Unfallkrankenhaus Berlin durchgeführt wurden, konnte eine erhebliche Schmerzreduktion gegenüber bisher verwendeten Materialien nachgewiesen werden.

In der alltäglichen Anwendung zeigte sich sehr schnell, dass auch die Handhabbarkeit von Suprathel anderen Materialien überlegen ist. Die Membraneigenschaften sorgen dafür, dass Suprathel sofort auf der Wunde haftet. Suprathel ist plastisch verformbar und damit auch an schwierigen Arealen wie Gesicht, Fingern, und Zehen leicht anzulegen. Suprathel wird meistens mit einer Lage Fettgaze kombiniert, um ein Anhaften des darüber liegenden Verbandes zu vermeiden. Die Fettgaze wird aber ebenso wie das Suprathel bis zur vollständigen Abheilung belassen. Der zusätzliche Verband ist dann notwendig, wenn eine mechanische Belastung auf des Suprathel einwirkt, wie dies zum Beispiel an Armen und Beinen der Fall ist. Das Polylactid besitzt eine zusätzliche antiinfektiöse Komponente. 2.gradige Verbrennungen heilen unter Suprathel ungestört ab, das Material löst sich nach vollständiger Epithelisierung nach 7 bis 20 Tagen (je nach Tiefe der Verbrennung) von selbst ab. Meistens lässt sich Suprathel zu diesem Zeitpunkt zusammen mit der Fettgaze vom Rande her mobilisieren, es wird dann an der Grenze zu den Arealen, wo Suprathel noch haftet, abgeschnitten. Die dazu notwendigen Maßnahmen sind schmerzlos.

 
 

Am Verbrennungszentrum des Marienhospitals Stuttgart wurde Suprathel rasch in die Versorgung der Schwerbrandverletzten integriert.

Auch bei der Gruppe der Brandverletzen mit großflächigen drittgradigen Arealen konnte durch die Verwendung von Suprathel die zu transplantierende Fläche vermindert werden. Seit der Einführung von Suprathel wurde keine menschliche Leichenhaut mehr als passagerer Hautersatz verwendet. Bei der Gruppe der Patienten mit großflächigen, gemischten 2.gradigen Verbrennungen konnten erstaunliche Erfolge ohne jegliche Transplantation erzielt werden. So war es möglich, bei einem Patienten mit 95 % 2a - bis 2b-Verbrühung der Körperoberfläche unter Suprathel eine nahezu vollständige Abheilung innerhalb von 4 Wochen zu erzielen.

 
 

Aber auch bei kleineren Verbrennungen und Schürfwunden, die im ambulanten Bereich behandelt werden, hat sich Suprathel als einfach anzuwendender und komfortabler Epithelersatz bewährt.

 
 

Vor allem Kinder können so schmerzfrei ohne tägliche Verbandswechsel in Narkose von niedergelassenen Ärzten behandelt werden.

 
 

Voraussetzung ist allerdings, dass sich die betreffenden Ärzte mit der Behandlung von Suprathel auskennen. Für interessierte Kliniken und niedergelassene Ärzte werden durch die Hersteller und die Vertriebsfirmen Workshops angeboten, bei denen man die Handhabung von Suprathel für die verschiedenen Indikationen erlernen kann.

Dr. med. Christian Uhlig, 26.05.2006

 

Thema zuletzt bearbeitet am 19.01.2010  |   © 2005 - 2012 CICATRIX e.V. - Regina Heeß  |   eMail an Webmaster / FlotteSeite.de

 

 


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