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CICATRIX-Wochenende 2007 - Informationen und Kultur in historischen Mauern

Großes Interesse an den hochkarätigen Vorträgen

Ministerin Dagmar Ziegler

Geschichtsträchtig war das Ambiente im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im Kutschstall, groß die Schar der Besucher, die am ersten Veranstaltungstag den Weg nach Potsdam gefunden hatten. Präsidentin Regina Heeß zeigte sich beeindruckt und erfreut bei der Begrüßung der rund 90 Gäste und Referenten. Die Schirmherrschaft über den zweiten CICATRIX-Kongreß hatte Dagmar Ziegler, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg übernommen. Nicht nur das, sondern CICATRIX erhielt im Vorfeld des Kongresses großartige tatkräftige Unterstützung aus ihrem Ministerium.

Auch wenn die Ministerin wegen des zeitgleich stattfindenden SPD-Landesparteitages nicht persönlich anwesend sein konnte, so hatte sie doch ein ausführliches Grußwort verfasst, welches Regina Heeß als Auftakt komplett verlas. Mit großem Respekt verfolge die Ministerin das Wirken unserer Organisation und dankte aufrichtig für ein Engagement, "das die von Unfällen betroffenen brandverletzten Menschen so umfangreich unterstützt".  Die Arbeit unserer Organisation gäbe nicht nur Halt, sondern bereite auch eine Lobby, die zunehmend Beachtung in der Öffentlichkeit fände.


Dr. Detlef Mamrot

Dr. Detlef Mamrot - Einsatz von Rauchmeldern in Privathaushalten - ein Politikum

Als erster Referent des Tages betrat Dr. Detlef Mamrot, Sachverständiger für baulichen Brandschutz, aus Wuppertal das Podium. Sehr anschaulich und durch viele Beispiele aus der Praxis unterlegt, demonstrierte er die Wichtigkeit des Einsatzes von Rauchmeldern in Privathaushalten. "Das Anlegen eines Sicherheitsgurtes ist gesetzlich vorgeschrieben", erklärte der Dozent, bei Rauchmeldern teile sich die Meinung der Politiker. Nur in wenigen Bundesländern sei es bis heute gesetzlich vorgeschrieben, Rauchmelder bei Neubauten anzubringen. Als Fallbeispiel nannte er einen Wohnungsbrand in einer durchschnittlichen 4-Zimmer-Wohnung. Die Schadensbegrenzung bei einem Einsatz von Rauchmeldern lag im Idealfall bei fast Null, während ohne Rauchmelder im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses neben schlimmen Verletzungen auch ein großer finanzieller Schaden entstand.

David Böger

David Böger - Vorstellung der manuellen Narbentherapie

Was tun, wenn verhärtete Narben einfach nicht weich werden wollen? Wenn trotz intensiver Behandlungen Verspannungen oder Kopfschmerzen ständiger Begleiter bleiben? Die Ursache, so der Schweizer Physiotherapeut David Böger aus Romanshorn, liege oft an verklebten Narben. Durch langjährige aktive Arbeit am Patienten entwickelte er eine Technik, um diese Verklebungen oder Adhäsionen effektiv und langfristig zu lösen. Viele Physiotherapeuten in der Schweiz und Deutschland arbeiten mittlerweile erfolgreich mit seiner Methode. Während des begleitenden Workshops konnten sich auch betroffene CICATRIXler von David Böger und seinem Team behandeln und von der Wirksamkeit überzeugen lassen.

von links nach rechts: Petra Lubosch, Dr. Joachim Wander, Regina Heeß, René Koch

Dr. Joachim Wander vom Charity-Club Berlin überreichte Spendenscheck

Groß war die Freude bei den beiden Präsidentinnen Petra Lubosch und Regina Heeß, als Dr. Joachim Wander mit einem großen Spendenscheck über 1500,00 € das Podest betrat. Der Präsident des Charity-Club Berlin hatte über unser Fachbeiratsmitglied René Koch von unserer Organisation erfahren. Die großartige Arbeit von CICATRIX überzeugte ihn auf Anhieb, so daß sofort feststand "Das ist eine Organisation, die es wert ist, unterstützt zu werden".

Bronzeskulpur eines Brandverletzten von Dr. Christian Bahr

Dr. Christian Bahr, Plastischer Chirurg und Künstler präsentierte Bronzeskulptur eines Brandverletzten

EMR - eadem mutatur resurgo - aus dem Lateinischen frei zu übersetzen: "Verändert (und doch) derselbe entstehe/erstehe ich wieder" nennt er seine 2002 geschaffene, in ihrer Schönheit berührende Darstellung eines schwer brandverletzten Torsos. Cicatrix-Mitglied Dr. Bahr hat nicht  nur seine Praxis in Berlin, sondern auch sein Atelier. Seine Werke sind an den verschiedensten Orten zu bewundern. Diese Skulptur wartet noch auf den richtigen Platz, z.B. in einem Krankenhaus oder Brandverletztenzentrum.

René Koch

René Koch - Camouflage und Permanent Make-Up - Erfahrungen im Umgang mit Kostenträgern

Ernst das Thema, amüsant der gelungene Vortrag von René Koch vom Arbeitskreis Camouflage e.V. Für viele Betroffene, egal ob männlich oder weiblich, sind Camouflage und/oder Permanent Make-Up die buchstäblichen Retter in größter seelischer Not. Weil Narben zwar nicht unsichtbar, aber gut getarnt werden können. Oder dauerhafte Farbpigmente helfen, die Physiognomie eines Gesichtes wieder herzustellen. René Koch erklärte ausführlich, worauf bei einer gekonnten und natürlich wirkenden Pigmentierung geachtet werden sollte. Als Kosmetologe und bekanntester Visagist Deutschlands verfügt er über einen jahrzehntelangen Erfahrungsschatz, den er ehrenamtlich seit vielen Jahren weitergibt. Er wählt auch manchmal ungewöhnliche Wege beim Kampf mit den Kostenträgern, die er mit humorvollen Worten vorstellte.

Prof. Dr. H.-Peter Berlien

Prof. Dr. H.-Peter Berlien - Chancen und Grenzen des Lasers bei der Narbenbehandlung

Während die einen Wunder erwarten, haben andere Betroffene Angst vor erneuter Narbenbildung. Was kann der Laser, wo sind seine Grenzen? Diese Fragen beantwortete Prof. Dr. Berlien, Chefarzt der Abteilung für Lasermedizin im Elisabeth Krankenhaus Berlin, ausführlich und gut verständlich. "Den Laser gibt es nicht", erklärte der Fachmann. Keloide, hypertrophe oder atrophe Narben haben ihre individuellen klinischen Bilder mitsamt den entsprechenden und sehr unterschiedlichen Problemen. "Wegzaubern" kann auch der beste Laser keine Narbe dieser Welt, doch die Spannbreite der unterschiedlichen Laserarten erlaube zumindest spürbare Verbesserungen. Schmerzen können gelindert, Juckreiz genommen und das ästhetische Bild deutlich verbessert werden.

Dr. Bernd Hartmann

Dr. Bernd Hartmann - Sprühhauttransplantation von Hautzellen

Die erste Züchtung von Eigenhaut galt als medizinische Revolution. Viele Jahre nur möglich in Form von Sheets, langwierig und kostspielig. Die Haut war empfindlich, anfällig für Narbenbildung und oftmals die einzige Rettung für großflächig verbrannte Betroffene. Vor rund zwei Jahren machte dann erneut ein Verfahren von sich reden. Der australischen Medizinerin Dr. Fiona Wood gelang es, Hautzellen in Suspensionsform herzustellen - ReCell®. Seitdem wird experimentiert - oft mit hervorragenden Erfolgen. Denn in der Lösung, die in einem Minilabor direkt im OP in kurzer Zeit hergestellt werden kann, befinden sich auch Farbpigmente. Dr. Hartmann, Chefarzt im größten deutschen Zentrum für Schwerbrandverletzte, entwickelte eine spezielle Apparatur, mit der fein gestäubt und genau dosiert die Suspension genau auf den benötigten Arealen aufgetragen wird. Die meisten klinischen Erfolge seien natürlich bei der Erstversorgung vorhanden, so Dr. Hartmann, in spätestens anderthalb Jahren könne man mehr über den Einsatz von Sprühhaut bei Narbenkorrekturen berichten.

OMM Christian Hartz

OMM Christian Hartz - Silikon als zusätzliche Therapie in der Narbenkompression

Bis heute konnte nicht nachgewiesen werden, wie die Silikontherapie genau wirkt. Daß sie hilft, ist wissenschaftlich mehr als anerkannt. Woraus entstehen Silikon-Sheets, Gesichtsmasken oder Handschuhe? Wie wird Silikon richtig angewendet? Christian Hartz, Orthopädiemechanikermeister und Geschäftsführer der Firma EproTec GmbH. Berlin, erklärte dem staunenden Auditorium das zur Herstellung vor allem 2 Rohstoffe zur Verwendung kommen, nämlich Sand und Wasser. Nebenwirkungen gäbe es keine, wenn bestimmte Hygienevorschriften eingehalten würden. In den meisten Fällen wird Silikon in Verbindung mit der Kompressionstherapie verordnet, Gesichtsmasken können allerdings in einem Härtegrad gefertigt werden, so daß in diesem empfindlichen Bereich keine weiteren Druckverbände notwendig sind. Einen Versuch ist diese Therapieform auch bei alten Narben wert, berichtete ein CICATRIX-Mitglied, das viele Jahre nach dem Unfall noch positive Veränderungen feststellen konnte.

CICATRIX konzentriert sich auf die Belange erwachsener Brandverletzter

Im Anschluß an den informativen und hochinteressanten Kongressteil fand die Sitzung der Vorstände und Fachbeiräte statt. Während der Vorstandssitzung, die neben verwaltungstechnischen Themen auch die Behandlungsrichtlinien zum Thema hatte, wurde nochmals ausdrücklich betont, dass unsere Organisation den Fokus auf die Belange erwachsener Brandverletzter setzt und nach wie vor für die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen offen ist.

Gut besuchte Workshops - Camouflage Demonstration und Manuelle Narbentherapie

René Koch leistet praktische Hilfe


Gabriele Häussler bei der Beratung

Die zwei Stunden nach dem Kongress bis zum Beginn der Abendveranstaltung nutzten die Teilnehmer, um sich von Gabriele Häusler, Regionalbeauftragte für Brandenburg des Bundes Deutscher Kosmetiker/innen in Sachen Camouflage beraten zu lassen. René Koch war ebenfalls dicht umlagert und half mit Antworten auf viele Fragen. Die Berliner Herstellerfirma Kryolan, führender Produzent im Bereich Camouflage, sponserte uns Farben und Materialien. Viele Betroffene lernten in Potsdam die Möglichkeiten der Camouflage erstmalig kennen. Sie konnten dank der großartigen Spende der Firma Kryolan die Grundausstattung sowie Testerkids im Anschluss an den Workshop kostenlos mitnehmen.

Auch David Böger hatte fast keine Pause, denn unter den Gästen waren auch sehr viele Berufskollegen und Physiotherapeuten, die großes Interesse an der manuellen Narbentherapie hatten oder sofern bereits ausgebildet, tatkräftig mit behandelten.


während der Pause


Der Kameramann von RBB

Die Pause bot auch Zeit zum Relaxen oder für intensive Gespräche. Kontakte wurden vertieft, neue Bekanntschaften geschlossen. Das wechselhafte Wetter zeigte ein Einsehen, so das bei strahlendem Sonnenschein auch das wunderschöne Ambiente genossen werden konnte.

Besonders stolz sind die Verantwortlichen darauf, dass die Landesärztekammer Brandenburg den Kongress mit 6 Punkten als Fortbildung anerkannt hat. Auch das Fernsehen unterstützte uns in diesem Jahr wieder. RBB berichtete aktuell in der Abendschau am Samstag.


Nahrhaft für Körper und Seele - das Abendprogramm im Kutschstall

Schlemmen im wunderschönen Ambiente des Gewölbekellers

"Preußen tischt auf" lautete das Motto in der Gewölbehalle. Ein kalt-warmes Buffet mit Schmankerln wie hausgemachtem Kartoffelsalat und Berliner Buletten, Sülze, Potsdamer Garnisonssüppchen oder Creme Brulée aus dem Weckglas lud zum Schlemmen ein.

Liebe in Paris, Liebe in Berlin

Ein Augen- und Ohrenschmaus waren dann die Künstler, die den Abend mit einem kleinen Kulturprogramm bereicherten. Ludwig Marx und Fred Kastein kamen lediglich mit einer Gitarre. Mehr war auch nicht nötig, denn ihre Lieder rund um das Thema "Liebe in Paris - Liebe in Berlin" brauchten weder Orchester noch das übliche Piano, um den Chanson-Funken fliegen zu lassen.

 Rokkoko-Dame Harder

Rokkoko-Dame  Harder berichtete anschließend charmant und stilgerecht gewandet über die doch sehr speziellen Schönheitsvorstellungen im 18. Jahrhundert. Schichten von Puder, im Gesicht wie in der Perücke sowie Unmengen von Duftwässerchen übertünchten die Gerüche jener Zeit. Denn Wasser und Waschen war verpönt, galt es doch als äußerst schädlich für die Haut. Blass, blässer, leichenblass galt als Schönheitsideal jener Zeit. Das galt gleichermaßen für Gesicht und Haare. Die Perücken nahmen teilweise astronomische Ausmaße an, verriet Erika Harder mit einem Schmunzeln, und waren - begehrte Heimstatt für kleinere und größere Tierchen.

Verdienter Applaus für das gelungene Programm war auch der einzige Lohn, den Ludwig Marx, Fred Kastein und Frau Harder mit nach Hause nahmen. Denn alle drei traten ehrenamtlich für uns auf. Wir sagen herzlichen Dank dafür!

Fast alle Fotos vom Kongress sind von Sabine Schlaak, Berlin.