"Krankheitssymthome verbinden
stärker als Überzeugungen."
(Carl Merz)

 

Evangelos Sarantopoulos

CICATRIX-Studienpreisträger 2011

Evangelos Sarantopoulos

Evangelos Sarantopoulos wurde 1979 in Athen geboren. Er war lange Zeit aktiver Volleyball-Spieler und interessiert sich für Literatur. Von 1998 bis 2005 absolvierte er ein Medizin-Studium an der National- und Kapodistrian Universität Athen, dass er mit der Gesamtnote "Sehr gut" und der Approbation abschloss. Von 2005 bis 2010 war er in verschiedenen Kliniken in Griechenland und Deutschland tätig. Seit Mai 2010 arbeitet er als Assistenzarzt im Klinikum Offenbach. Er hat zahlreiche Publikationen veröffentlich und ist Mitglied in vielen medizinischen Organisationen.

Wundbehandlung bei Verbrennungen mit Polyhexanid-Creme 0,1% und ihre Bedeutung für die Wundheilung und die Verminderung der Narbenbildung während der Intensivphase.

Lokale Antiseptika (Desinfektionsmittel) sind ein wichtiger und notwendiger Bestandteil der Oberflächenbehandlung von Verbrennungsverletzungen, wobei neben der Vernichtung von Keimen auf den Wundflächen die Re-Eepithelisierungsrate (Neubildung der Oberhaut) ein entscheidender Faktor ist. In ihrer Studie untersuchte das Offenbacher Team die Veränderung des Keimspektrums der Wundflächen bei Schwerbrandverletzten Patienten nach der Umstellung von Silber-Sulfadiazin-Creme (Flarnmazine®) auf Polyhexanid (Lavasept®-Creme).

Die Rate an MRSA-Besiedlungen war in beiden Gruppen vergleichbar. Nachdem sich in den ersten beiden Abstrichen eine signifikant höhere Rate an sterilen Abstrichen in der Polyhexanid-Gruppe fand, stellten Evangelos Sarantopoulos und seine Kollegen im weiteren Verlauf bei längerer Anwendung eine Gruppe seltener Bakterienspezies sowie eine deutlich erhöhte Rate an Pilzbesiedlungen auf den Wundflächen fest. Je höher die Zahl der krankmachenden Keime in der Wunde und je ansteckender die Keime sind, desto größer ist die Gefahr einer Infektion. Polyhexanid-Creme hat sich in der Behandlung der Verbrennungswunden bewährt, jedoch hält das Team es nur in den ersten sieben Tagen für uneingeschränkt empfehlenswert.

Die Veränderung der Konzentration ist laut Dr. Dr. Bruck genial

Seit Oktober 2010 wurde in Offenbach dann die Polyhexanid-Konzentration in der Creme verändert, um eine bessere Keimvernichtung zu erreichen. Die Forscher waren sich einig: Diese bessere Keimeliminierung könnte zu einer Förderung der Wundheilung durch Vermeidung von Wundinfektionen führen. Die Vermeidung von Wundinfektionen und die verbesserte Wundheilung könnten zu einer Verminderung der auffälligen Narben beitragen. Dem stimmte auch Dr. Dr. med. Bruck während der Jurysitzung zu. "Die Behandlung mit Polyhexanid ist seit vielen Jahren Standard in der Intensivbehandlung von Schwerbrandverletzten". Diesen Wirkstoff nun in eine Creme einzubringen und die Konzentration so erhöhen zu können bezeichnete er als "genial". Denn durch diese Veränderung der Konzentration von Polyhexanid-Creme wird eine deutlich höhere Eliminierung erzielt. Das wiederum  führt zu einer Minderung der Keimbelastung (Anzahl, Art und Giftigkeit der Keime) in den Verbrennungswunden. Die Minderung der Keimbelastung hat als Folge die Vermeidung von Wundinfektionen und die verbesserte Wundheilung. Damit könnte bereits eine Verminderung der Narbenbildung während der Intensivphase erreicht werden.

Besonderes Problem sind die Kontrakturen

Für die Menschen, die in der Zukunft thermische Verletzungen erleiden werden, bedeutet das eine wirklich große Hoffnung. Denn sowohl die Verbrennungsmediziner als auch die Betroffenen wissen aus eigener leidvoller Erfahrung, dass sich besonders dort eine starke hypertrophe Narbenbildung entwickelt, wo sich Wunden aufgrund von Keimen nicht schließen und manchmal sogar wiederholt neu transplantiert werden muss. Damit beginnt bei vielen Brandverletzten ein lebenslanger Leidensweg. Denn die Narben sind oftmals stark wuchernd und bedeuten ein besonderes Stigma für die Betroffenen. Entwickeln sich die Narbenstränge an Beugegelenken oder im Halsbereich, kommen Bewegungseinschränkungen dazu, die in der Regel nur chirurgisch korrigiert werden können. Trotz Operationen sind die Ergebnisse leider oft nicht wie erhofft, da sich neue Narben bilden können.

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