"Manche Berge scheinen unüberwindlich - bis wir den ersten Schritt tun."
(Anke Maggauer-Kirsche)

 

Ein ganz normaler Brandfall - Teil 3

Ein ganz normaler Brandfall - Schlüsse, offene Fragen und Zusammenfassung von Dr. Detlef Mamrot, Brandschutzsachverständiger und Oberbrandamtsrat Dipl.-Ing. Ulrich Zander

3. Schlüsse

Auch in Haushalten sollten die richtigen Löschgerätschaften bereitgestellt werden. Insbesondere sind Wasser-Schaum-Löscher geeignet. Dabei sollte es kostengünstige Möglichkeit geben, beim Kauf eines Feuerlöschers diesen auch ausprobieren zu können, was vielleicht als Werbemaßnahme von beispielsweise den Baumärkten aufgegriffen werden könnte.

Der im Rahmen von Brandschutzunterweisungen oft gegebene und sicher im Prinzip auch richtige Rat, nicht in ein brennendes Gebäude zurückzukehren, ist dann nicht sinnvoll, wenn die Personen emotional stark eingebunden sind und beispielsweise ihre Angehörigen gefährdet sind, ergo: Sie werden den Rat nicht befolgen. Für diesen Fall wäre es besser, wenn die Personen grundsätzliche Verhaltensweisen für das Bewegen im brennenden Gebäude beherrschen würden: Geduckt gehen oder kriechen, langsam gehen, Stress reduzieren, dicke Kleidung überziehen, etc. Würde man die Menschen aber entsprechend instruieren, wäre die Gefahr groß, dass sie sich im Fall der Fälle überschätzen.

Aufklärende Brandprävention dringend nötig

Brandschutzaufklärungen und -schulungen können auch dazu führen, dass im Brandfall falsch reagiert wird. Werden beispielsweise Hinweise sehr nachdrücklich gegeben, dass Türgriffe im Brandfall heiß sein können, hat dies unter Umständen zur Folge, dass selbst kalte Türgriffe nur sehr vorsichtig oder gar nicht angefasst werden.

Ebenso ist eine generelle Aussage "Fenster und Türen schließen" nicht angebracht. Oft ist auch "Fenster auf und Türen zu" die richtige Alternative.

Es sollten, diese Punkte berücksichtigend, Ausbildungsstandards für die Personen geschaffen bzw. überprüft werden, die aufklärende Brandprävention betreiben, also Brandschutzunterweisungen durchführen oder auch Brandschutzbeauftragte ausbilden.

Offene Fragen

Entstehen aufgrund der besonderen Widerstandsfähigkeit und Dichtigkeit von Wärmeschutzverglasungen im Brandfall Gefahren, die es früher nicht gegeben hat? Einerseits unter Umständen ein besonders hoher Brandraum-Innendruck, andererseits die erschwerte Zerstörbarkeit für Opfer und Einsatzkräfte? Kann dem baulich, auch im Privatbereich begegnet werden? Welche Ideen gibt es dazu?

Können die Erfahrungen von Überlebenden nach Bränden besser in die Brandprävention einbezogen werden?

Übertreiben wir in Brandschutzunterweisungen die Hinweise, daß das eigentlich Gefährliche der Rauch sei und stellen die Hitze zu weit in den Hintergrund? Beachten wir dabei, daß die Hitze, anders als vermutet, unter Umständen gar nicht wahrgenommen wird?

Ist die richtige Brandprävention, weil die Geschehnisse im Brandfall derart vielschichtig sind (ein Kennzeichen komplexer Systeme), ein Vabanquespiel? Sollten wir dann nicht die Spielregeln für die Prävention - zusammen mit denen, die Brände erlebten - neu regeln?

Zusammenfassung

Es wurde gezeigt, dass auch eine subjektive Schilderung über die Geschehnisse in einem Brandereignis zu Verbesserungsansätzen führen kann und offene Fragen aufwirft, die es zu behandeln gilt.

Mit dem hier vorgestelltem Bericht eines exemplarischen Einzelfalles soll unterstützt werden, dass verstärkt die Opfer von Brand- und anderen Schadenereignissen zu Wort kommen und die notwendigen Rückschlüsse auf den baulichen, betrieblichen und abwehrenden Brandschutz gezogen werden können.

Dr. Detlef Mamrot, ö.b.u.v. Brandschutzsachverständiger,  Mitglied des Fachbeirat CICATRIX e.V.

Oberbrandamtsrat Dipl.-Ing. Ulrich Zander, Berufsfeuerwehr der Stadt Wuppertal

Petra Lubosch, Vizepräsidentin CICATRIX e.V.