"Arzt und Patient sind Partner. Der eine stellt die Diagnose und der andere die Krankheit."
(Werner Mitsch)

 

Das Unvorstellbare - ein schwerer Unfall ist passiert. Lesen Sie, wie Sie sich richtig verhalten.

Diese Situation lässt sich nicht üben und nicht planen, nicht vorbereiten. Die Fragen und Probleme, die auf Angehörige einstürmen sind in jedem Fall anders. Der Schock über das Geschehene und die Angst um den Verletzten, der vielleicht gerade mit dem Rettungswagen abtransportiert wurde, überlagert alles. Auch nicht direkt Beteiligte, wie Nachbarn, Freunde oder Zuschauer reagieren manchmal irrational unter dem Eindruck des Geschehens.

Genau in diesem Moment beginnen wichtige Prozesse, auf die keiner in diesen Momenten Gewicht legt. Wochen, manchmal Jahre später noch erlangen sie im Zuge von Auseinandersetzungen mit Behörden und Versicherungen ungeahnte Bedeutung.

Die Polizei z.B. beginnt sofort mit den nötigen, routinemäßigen Ermittlungen:

  • der Unfallort wird gesichert
  • der Unfallhergang detailliert erfragt
  • Personalien und Adressen der verletzten Person, der Unfallbeteiligten und direkten Angehörigen werden aufgenommen 
  • Zeugen befragt, auch Angehörige unter Schock und Kinder
  • Wertgegenstände, Personaldokumente etc. werden in Verwahrung genommen, ein Durchsuchungs-/Sicherungsstellungs-Protokoll erstellt
  • u. U. werden kriminaltechnische Untersuchungen eingeleitet, der Unfallort wird zum Tatort
  • u. U. wird von Amts wegen Anzeige erstattet
  • der Unfall erhält eine Tagebuchnummer

Die Polizei kümmert sich auch darum, dass eventuell versorgungsbedürftige Kinder oder Angehörige Unterkunft und Betreuung finden.

Versuchen Sie in solchen Situationen jemanden, dem Sie vertrauen, als bevollmächtigte Kontaktperson zu benennen

Diese Kontaktperson sollte

  • die Namen, Dienststellen und Telefonnummern der ermittelnden Beamten, der Feuerwehr, der Rettungskräfte, des Notarztes usw. sammeln. Gleiches gilt für alle Zeugen, die befragt werden Vielleicht haben Sie später viele Fragen oder Sie wollen sich einfach nur bedanken
  • alle Papiere, z.B. Kopien von Protokollen in Empfang nehmen und aufbewahren
  • für Rückfragen der Ermittler zur Verfügung stehen
  • selbst Fotos der Umgebung, des Unfallortes machen und verwahren
  • wissen, wo und wie Sie zu erreichen sind, wohin der Verletzte gebracht wird
  • nach Möglichkeit weitere Angehörige, Freunde, Arbeitgeber informieren
  • eventuelle Neugierige oder Presse fernhalten
  • wichtige Dinge für Sie besorgen, wie Krankenversicherungskarte, Handy, Bargeld, Kreditkarte, Impfbücher, medizinische Unterlagen und anderes, was Sie eventuell bei langer Aufenthaltszeit beim Verletzten im Krankenhaus brauchen könnten

Setzen Sie sich keinesfalls selbst hinter das Lenkrad, um ins Krankenhaus zu fahren. Unterschätzen Sie Ihre Belastung und überschätzen Sie Ihre Kraft nicht. Delegieren Sie, was möglich ist. Nehmen Sie Hilfsangebote an.