"Arzt und Patient sind Partner. Der eine stellt die Diagnose und der andere die Krankheit."
(Werner Mitsch)

 

Durchgangssyndrom

Nach Tagen im künstlichen Koma oder selten auch schon nach sehr langen Narkosezeiten kann beim Patienten ein sog. Durchgangssyndrom auftreten. Laienhaft kann man sich das, als den langsamen Abbau der verschiedensten Schmerz- und Narkosemittel im Körper vorstellen.

Nahezu alle schweren körperlichen Erkrankungen und Schädigungen können, indem sie direkt am Zentralnervensystem ablaufen oder seine Funktion indirekt beeinflussen, zu so genannten organischen Psychosyndromen führen.

Hierbei wird unter akuten und chronischen Formen unterschieden. Der Begriff "Durchgangssyndrom" kennzeichnet eine leichtere Form eines akuten organischen Psychosyndroms. Es treten hierbei, vor allem im Rahmen schwerer Erkrankungen, eine Reihe unspezifischer, organisch bedingter psychische Störungen zeitlich begrenzt auf. Die Dauer reicht von wenigen Tagen bis mehreren Wochen.

Cicatrix-Figur Max

Kein Grund zur Panik

Typisch ist ein abrupter Wechsel der Stimmungen. Es zeigen sich Episoden von depressiver und ängstlicher Verstimmung, aber auch plötzlicher Stimmungsaufhellungen, Perioden von Antriebsstörungen oder großer innerer oder körperlicher Unruhe. Es kann auch zu Verwirrtheitszuständen mit optischen Halluzinationen kommen. Nicht selten werden "weiße Mäuse" oder andere Tiere gesehen. Es kommt auch vor, dass Patienten die Nahrung verweigern oder ihre Angehörigen nicht mehr erkennen.

Aufgrund der für die Beteiligten meist nicht erklärbaren psychischen Erscheinungen und dem fast immer überraschenden Auftreten des Beschwerdebildes kommt es oft bei allen Beteiligten zu starker Beunruhigung.

Bei Verbrennungen sind Durchgangssyndrome sehr häufig zu beobachten. 

Persönliche Schilderung: Halbwach im Durchgangssyndrom Petra Lubosch, 2006