"Erleuchtung wird nur denen zuteil,
die sich im Dunklen befinden."
(Rupert Schützbach)

 

CICATRIX-Wochenende in Frankfurt - Mainhattan, Ebbelwoi und viele Informationen

Regina Heess eröffnet den Kongress

Auch der 4. Kongress war wieder ein großer Erfolg auf hohem Niveau

Informative Vorträge, ein gelungenes Rahmenprogramm und viele gute Gespräche in einem gepflegten Ambiente kennzeichneten unseren vierten Kongress, der in diesem Jahr im InterCity Hotel Frankfurt Airport stattfand. Erneut fanden sich viele Mitglieder und betroffene Gäste, aber auch Ärzte und Vertreter aus therapeutischen Berufen und Krankenpflegeschulen ein, um Erfahrungen auszutauschen, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue zu knüpfen. Denn wir haben im vergangenen Jahr viele neue betroffene Mitglieder begrüßen können, die den Kongress nutzten, um sich zu informieren und andere Brandverletzte kennen zu lernen. Besonders erfreulich war die Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer im Anschluss an die einzelnen Vorträge. Abgerundet wurde das Event mit einem Stand der Firma Sorbion, die verschiedenste Wundauflagen vorstellte.

 
Blick auf den Stand der Firma Sorbion gute Gespräche in der Pause unser Berliner Bär Andreas bei der Arbeit Blick in den Hörsaal Blick in den Hörsaal
 

Schirmherrschaft übernahm Frankfurts OB Dr. Petra Roth

Stadtrat Christoph Warnke während seines Grußwortes

Unsere Schirmherrin Frau Dr. Petra Roth musste eine persönliche Anwesenheit leider wegen anderweitiger Termine entschuldigen. Für die Stadt Frankfurt nahm an ihrer Stelle Herr Stadtrat Christopf Warnke teil, der gerne die Grüße der Oberbürgermeisterin ausrichtete. Mit sehr persönlichen Worten und großer Betroffenheit drückte er seine Verbundenheit mit schwerbrandverletzten Menschen und ihren lebenslangen physischen und psychischen Narben aus. Sehr erfreut war er, dass die Abendveranstaltung in Sachsenhausen stattfinden würde, wo sich regionale Tradition und ein Stück Frankfurter Kultur harmonisch verbinden. Der Stadtrat ließ es sich nicht nehmen, die ersten Vorträge mit großem Interesse zu verfolgen.

Kerstin Radtke-Schwenzer - Die Brandverletzung und das Sozialrecht - Ein Überblick über ausgewählte Leistungs- und Verfahrensfragen

Kerstin Radtke-Schwenzer


Blick auf eine Vortrags-Folie

Den Auftakt machte die Fachanwältin für Sozialrecht, Kerstin Radtke-Schwenzer von der Kanzlei Plagemann in Frankfurt. Der Schwerpunkt ihres Vortrages betraf die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, auf die Versicherte gemäß § 27 SGB V Anspruch haben. Was aber bei Leistungen machen, die nicht im Leistungskatalog erfasst sind, aber dennoch benötigt werden? Hier zeigte Frau Radtke-Schwenzer die korrekte Vorgehensweise genau auf. Im weiteren Verlauf ging sie auf die Anerkennung der Schwerbehinderteneigenschaft ein und erklärte die Unterschiede der Grade der Behinderung. Ihre Ausführungen zur Festlegung der Pflegebedürftigkeit sorgte im Anschluss für intensive Diskussionen.

Prof. Dr. med. Lothar Bergmann - Tumore der Haut - Übersicht und Behandlungsoptionen

Prof. Dr. med. Lothar Bergmann


Blick auf eine Vortrags-Folie

Sind brandverletzte Menschen eher gefährdet, bösartige Tumore im Narbengewebe zu entwickeln? Diese Frage konnte Prof. Bergmann aufgrund der bestehenden Literatur weitestgehend verneinen. In seinen sehr interessanten Ausführungen ging der Vorsitzende des Tumorzentrums Rhein-Main sowohl auf gutartige als auch bösartige Erkrankungen und Veränderungen der Haut ein. Melanome, die sehr häufig vorkommen, sind in der Regel gut bekannt. Anders sieht es bei den weißen Hautkrebsarten, den Basaliomen und Spinaliomen aus. Hier sind für Brandverletzte besonders die Spinaliome oder Plattenepithelkarzinome von großem Interesse, weil sie besonders häufig auf lichtgeschädigter Haut entstehen. Der Experte empfahl eindringlich, das regelmäßige Screening bei Dermatologen zu nutzen, um Vorstufen rechtzeitig zu erkennen.

Jörn Brom - Epithetische Versorgungen nach Brandverletzungen

Jörn Brom


Blick auf eine Vortrags-Folie

Bei der Epithetik handelt es sich um abnehmbare künstlich nachempfundene Teile des Gesichtes, erklärte Jörn Brom den Teilnehmern. Augen-, Ohren- und Nasenepithesen werden aus medizinischem Silikon speziell für jeden Patienten einzeln angefertigt. Bei der Befestigung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die bei Klebung beginnen und bei speziellen Magneten, die im Schädel operativ eingesetzt werden, enden. Unterstützt durch viele Bilder aus der Praxis dokumentierte das Vorstandsmitglied der IASPE die vielfältigen Möglichkeiten und erklärte anhand einer Beispiels die Arbeitsschritte einer Epithese von der Planung bis zur Fertigstellung. Haupteinsatzgebiet der Epithetik sind bis heute Tumordefekte, doch auch bei Schwerbrandverletzten kommt diese spezielle Form von Gesichtsprothetik sehr häufig zum Einsatz.

Detlef Henrichs - Ein Leben mit Narben 

Detlef Henrichs


Eine Szene des Filmes aus Amerika

Nicht offiziell angekündigt war Detlef Henrichs, da er seine Teilnahme erst kurzfristig zusagen konnte. Der Dipl.-Designer und Fotograf wurde vor 37 Jahren schwer verbrannt und berichtete mit bewegenden Worten von seiner Kindheit und Jugendzeit. Ferien wie bei anderen Kindern kannte er kaum, da die schulfreien Zeiten für Korrektur-Operationen genutzt wurden. Sachlich berichtete er über seine Ängste als Heranwachsender bezüglich Berufs- und Partnerwahl. Seit zwei Jahren engagiert sich Detlef Henrichs als Betreuer von Sommercamps für brandverletzte Kinder und Jugendliche in USA und Kanada und zeigte den offiziellen Kurzfilm dieser Camps. Detlef Henrichs plant vergleichbare Camps auch in Deutschland zu etablieren.

Markus Müller - Richtiger Umgang mit Silvesterfeuerwerk 

Markus Müller


Blick auf eine Vortrags-Folie

Eine komplett zerstörte Telefonzelle, in die ein Böller geworfen wurde. Trümmer, daneben ein einzelner Kinderhandschuh. Szenen, die betroffen machen - vor allem, wenn es um eines der schönsten Ereignisse des Jahres geht. Weihnachten und Silvester herrscht Hochkonjunktur in den Zentren für Schwerbrandverletzte. Wie aber geht man korrekt mit Böllern und Feuerwerk um? Wer darf, sollte Raketen anzünden? Die Antworten gab Markus Müller, der als ehemaliger Gruppenführer der Fachgruppe Sprengen im THW Rosenheim im vergangenen Jahr ein einzigartiges Präventionsprojekt startete. Gemeinsam mit Kollegen ging er in der Vorweihnachtszeit in die Rosenheimer Schulen und klärte auf. In Frankfurt stellte er einen Querschnitt der Kampagne vor.

Prof. Dr. Henrik Menke - Neue Wege in der Behandlung von Verbrennungsnarben

Prof. Dr. Henrik Menke


Der Vortrag von Prof. Dr. Menke

Verbrennungsnarben charakterisieren sich unter anderem durch Wulstigkeit, fehlende Elastizität und Juckreiz, erklärte Prof. Dr. Menke. Kompressionstrikotagen, Narbenmassagen und Silikon sind gängige Therapieverfahren. Im chirurgischen Bereich kann man mit Z-Lappenplastiken, verschiedenen Lappenplastiken oder der Dermabrasio Verbesserungen erzielen. Doch gibt es auch neue Wege in der Behandlung von Verbrennungsnarben? Dieser Frage ging unser Vizepräsident in seinem mit Spannung erwarteten Vortrag nach.

Dr. Hans Ziegenthaler - Möglichkeiten zur Langzeitbehandlung der verbrennungsbedingten großflächigen Narbe

Dr. Hans Ziegenthaler


Blick auf eine Vortrags-Folie

Nach einer kurzen Vorstellung der Moritzklinik und statistischen Daten über Belegung und Wachstum erklärte Dr. Ziegenthaler, dass es nur sehr wenige Einrichtungen mit indikationsspezifischen Behandlungskonzept gebe, da besondere strukturelle und personelle Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Das Behandlungskonzept in Bad Klosterlausnitz umfasst neben der speziellen Narbenbehandlung unter anderem auch die Bewegungstherapie oder Funktionstraining nach Amputationen. Zu dem großen Angebot gehört auch ein Screening auf traumaassoziierte psychische Störungen oder eine

verhaltenstherapeutisch orientierte psychologische Begleitung. Kritisch betrachtete der engagierte Reha-Mediziner die mangelnde Routine mit Brandverletzten im ambulanten Bereich oder die Budgetierung in den Bereichen Therapie / Verbandsstoffe.

Mitgliederversammlung im Anschluss an den Kongress

Mitgliederversammlung

Während der Mitgliederversammlung berichtete Präsidentin Regina Heeß über die Arbeit des vergangenen Jahres. Ein besonderer Schwerpunkt galt auch 2008 wieder der Öffentlichkeitsarbeit. Besonders erfreulich ist hier die Tatsache, dass Kontakte zu Fachzeitschriften vertieft werden konnten. Auch die kleine Buse hat nach den stattgefundenen Korrektur-Operationen, die ausschließlich durch Spendengelder finanziert wurden, erhebliche Fortschritte gemacht. Besonders stolz ist sie auf ihre Perücke, die im vergangenen November in Worms angepasst wurde und die dem kleinen Mädchen ein Stück mehr Normalität im Alltag gibt. In der näheren Zukunft sind mehrere vereinsinterne Projekte geplant, die zum Abschluss vorgestellt und diskutiert wurden.

Ebbelwoi und Handkäs mit Musik in Sachsenhausen

Unser Gastgeber in Sachsenhausen

Abends fuhren die Kongress-Teilnehmer dann mit einem gecharterten Bus nach Sachsenhausen. In der Ebbelwoi-Wirtschaft Dauth-Schneider waren Tische für uns reserviert worden. Die fröhliche Gesellschaft hatte nun die Qual der Wahl. Esse ich lieber Frankfurter Schnitzel oder eine Sachsenhäuser Wurstplatte? Die Portionen waren reichlich und lecker, der hausgekelterte Apfelwein wurde gerne probiert. Im Laufe des Abends pendelten alle von Tisch zu Tisch. Die Vorträge wurden eifrig diskutiert, die Ergebnisse gelungener Korrektur-Operationen gezeigt und Erfahrungen ausgetauscht.

Abschluss am Sonntag mit einer geführten Flughafenbesichtigung

Gruppenbild bei der Fraport-Besichtigung

Nach einem kräftigen Frühstück am Sonntag morgen ging es dann zum Frankfurter Flughafen. Bevor die Anwesenden den Stretch-Bus zur Besichtigung des Flughafengeländes besteigen konnten, mussten die strengen Sicherheitsvorkehrungen erledigt werden. Handtaschen und ähnliche Gepäckstücke wurden zur Verwahrung abgegeben, jeder Teilnehmer einzeln durchsucht. Mit großem Interesse lauschten die CICATRIXler den Ausführungen von Heinz Dillmann, dem Leiter der Stabstelle für juristische Sonderaufgaben der Fraport AG, und seines Kollegen. Der Flughafen Frankfurt verfügt zwar über zwei separate Start- und Landebahnen, aufgrund des fehlenden Sicherheitsabstandes muss allerdings in der Main-Rhein-Metropole im Reißverschlussverfahren gestartet und gelandet werden. Da der Bus direkt neben der Startbahn fuhr, konnten wir deutlich die steile Startposition beobachten. Hierdurch wird die Lärmbelästigung für die umliegenden Kommunen so gering wie möglich gehalten. Aus größter Nähe wurde auch ein Frachtflugzeug angeschaut. Die Schnauze unter dem Cockpit kann zu Ladezwecken geöffnet werden, so das mehr als 20 PKW Platz im Inneren finden. Die rund zwei Stunden mit den informativen Ausführungen vergingen wie im Fluge. Dann hieß es Abschied nehmen bis zum Kongress 2010.

Danke

Unser Event war auch in diesem Jahr nur möglich durch den großen Einsatz der Organisatoren, die stillen Helfer im Hintergrund und unseren Sponsoren. Daher sagen wir von ganzem Herzen Danke an

  • Frau Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth für die Schirmherrschaft, 
  • Herrn Stadtrat Christopf Warnke für sein persönliches Erscheinen und die netten Worte,
  • Herrn Direktor Anton Wüstefeld und sein Team vom InterCity Hotel Frankfurt Airport für den reibungslosen Ablauf und den perfekten Service - Inter City Hotel Frankfurt Airport,
  • der Firma Sorbion für den informativen Stand und die großzügige Spende - www.Sorbion.com,
  • Herrn Heinz Dillmann und dem Vorstand der Fraport AG für die unvergessliche Maxi-Tour
  • Herrn Detlef Henrichs für die Fotos während des Kongresses - www.deutsche-brandopfer-gesellschaft.de,
  • Frau Daniela Müller für die Fotos während des Kongresses - Fotostudio Daniela Müller,
  • unserem Webman Jürgen Friedrich für die Fotos am Abend - www.FlotteSeite.de,
  • Helmut Meyer und Fritz Schneider für die Vorarbeiten,
  • Lisa Schneider für ihre tatkräftige Unterstützung an der Registration,
  • allen Mitgliedern, die im Mitgliederbereich ihre Fotos hochgeladen haben 
  • und unseren Referenten, die allesamt ehrenamtlich ihre Vorträge gehalten haben und durch die Themenvielfalt unseren Kongress erst ermöglichten.

Weitere Fotos finden Sie im Mitglieder-Bereich.

 

 

 

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