"Wer zur Gemeinschaft unfähig ist,
der ist es auch zur Freundschaft."
(Plato)

 

Schicksalsbericht Alexander Steurer

Bei einem Arbeitsunfall mit heißem Stahl im September 2007 erlitt Alex schwerste Verbrennungen an 60 % seiner Körperoberfläche und muss fortan mit starken Einschränkungen leben. Sein Bericht vom mühseligen aber erfolgreichen Weg zurück ins Leben wurde zuerst mit dem Titel: "Wo ich heute bin? Ganz oben!"  in der "Cosmos - 7. Journal der Unternehmensgruppe Graf von Oehnhausen-Sierstorpff - September 2013" veröffentlicht.

Erfahrungsbericht von meinen Reha-Aufenthalten in der Moritz Klinik in Bad Klosterlausnitz - Abteilung für Schwerbrandverletzte

alexander steurer

Am 03.09.2007 veränderte sich mein Leben von einer Sekunde zur anderen. Ich arbeite in einem Stahlwerk, in dem Bewehrungsstahl aus Eisen- und Metallschrott hergestellt wird. Bei einem Arbeitsprozess, in dem sich der Schrott in geschmolzener flüssiger Form befindet und ca. 1600 Grad heiß wird, ereignete sich mein Arbeitsunfall. Der flüssige Stahl ist aus einem runden großen Gefäß, das ca. 100 Tonnen flüssigen Stahl fasst, übergeschwappt und ist mir dabei zu nahe gekommen.

Dadurch erlitt ich Brandverletzungen dritten Grades, die sich auf 60 Prozent meiner Körperoberfläche erstreckten. Dies kostete mich 6 Jahre meines Lebens und über 100 Operationen bis ich wieder ein normales selbstständiges Leben führen konnte und da bin, wo ich heute bin, ziemlich weit oben. Damals war ich 36 Jahre alt, heute bin ich 42 Jahre jung.

Viel Arbeit lag vor mir

Ganz besondere Unterstützung und viel Hilfe für all meine Probleme, die ich auf meinem langen andauernden Lebenskampf hatte, bekam ich in der Moritz Klinik in Bad Klosterlausnitz und von meinem betreuenden Arzt Herrn Dr. Ziegenthaler, der sich enorm für Schwerbrandverletzte einsetzt. Nach jeder größeren OP, die mit einem Krankenhausaufenthalt von bis zu sechs Wochen verbunden war, hatte ich anschließend einen Rehaufenthalt von 6 bis 8 Wochen in der Moritz Klinik mit eingeplant.

Nach so langer Zeit im Krankenhaus und auch mit langen Phasen der Bettlägerigkeit war mein Körper sehr geschwächt und musste Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden. Zeitgleich ist natürlich die Versorgung der neuen Narbenflächen von den vorangegangenen OP´s und der alten Narben sehr wichtig, um ein stabiles, bewegliches Narbengewebe zu erhalten. Meine Verbrennungen verliefen leider über meinen ganzen Körper und auch über alle Gelenkpunkte, so dass ich anfangs eine sehr schlechte Beweglichkeit meines gesamten Körperapparates hatte. Mittlerweile war ich schon sechs Mal in der Moritz Klinik: im Mai und November 2008, Juli 2009 und im März sowie Dezember 2010. Zuletzt erst im August 2013- also vor nicht allzu langer Zeit. Jedes Mal kam ich wie ein Häufchen Elend an, war sehr schwach und stark in der Beweglichkeit eingeschränkt, insbesondre beim ersten Reha-Aufenthalt im Mai 2008, als noch alles neu und frisch für mich war.

Die ersten 2 bis 3 Wochen war es immer recht mühselig wieder auf die Beine zu kommen und Erfolge zu erleben. Doch immer wieder ging es nach den ersten 2 bis 3 Wochen stetig Berg auf. Zumindest was den körperlichen Fortschritt anging, denn auch die Psyche hatte immer wieder darunter gelitten. Doch auch für die Psyche hatte ich eine sehr tolle Anlaufstelle, die Frau Fritzsche die Psychologin im Hause. Sie päppelte immer wieder meine Seele auf.

Ein Rundum-Sorglos-Programm

Das Tagesprogramm war für mich als Schwerbrandverletzter immer gut organisiert und hatte auch überwiegend meinen Tag mit therapeutischen und pflegenden Anwendungen ausgefüllt. Mein Start war in der Regel als erstes in den MTT-Raum zu gehen. Quasi die "Muckibude" für mich. Danach kam zum kräftigen das Frühstück und dann ging es in das wohltuende 15-minütige Narbenpflegebad. Daraufhin folgte zeitnah die sehr wichtige Narbenmassage, die das Narbengewebe elastisch machte und dabei die Narbensalbe einmassiert wurde, die man von der Klinik bekommt.

Mit frisch angezogenem Kompressionsanzug ging es zur Krankengymnastik, die sehr explizit auf mich abgestimmt wurde. Somit war der Vormittag schon ausgebucht und es ging zum Mittagstisch, wo man mit seinen Tischfreunden das Mittagessen genüsslich zu sich nahm. In entspannter Atmosphäre in der Klinik oder im Kurpark gönnte man sich noch einen Kaffee, bevor es wieder weiter ging mit den Anwendungen. Mit der Ergotherapie wurde dann der Nachmittag begonnen, um weiterhin fit zu werden. Auch hier wurden die Anwendungen auf meine Bedürfnisse sehr gut abgestimmt. Für die Teamfähigkeit wurden auch Gruppentherapien durchgeführt, damit man auch in seiner langen Reha - Aufenthaltszeit Freunde gewinnen konnte.

Von den Ärzten, Therapeuten und dem Pflegepersonal, fühlte ich mich immer wieder mit qualitativ hohem Niveau behandelt und auch mit sehr persönlicher Note. Ich würde sogar behaupten, dass die Ärzten, Therapeuten und das Pflegepersonal bei mir zuhause sich davon eine Scheibe abschneiden könnten.

Dank meines Engagement und meiner Therapeutin Frau Daniela Simon, die mich in ihrer Praxis zuhause vor Ort im Süden von Baden Württemberg behandelt, kann man seit 2009 eine ganz spezielle Narbenbehandlung in der Moritz Klinik anbieten und erfolgreich anwenden. Die sogenannte UVM (Unterdruckvakuummassage). Die Behandlung wurde von Frau Heeß entwickelt, die auch mit der Organisation "Cicatrix für Schwerbrandverletzte" die Moritz Klinik unterstützt. Herr Dr. Ziegenthaler selbst ist auch im Fachbeirat bei Cicatrix tätig. Auch ich versuche mit meinen Erfahrungen Cicatrix zu unterstützen.

Die UVM-Behandlung wurde bei mir einmal pro Woche angewendet. Mit dieser Behandlung wird die gesamte Narbenfläche punktuell durch ein Vakuum angesaugt und dadurch gedehnt und zugleich besser durchblutet. Dies führt dazu, dass einerseits die Narben stabiler werden und sich dabei die Beweglichkeit enorm verbessert. Bad Klosterlausnitz bietet auch nach dem Therapieprogramm eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich zu entspannen. Wem das nicht reicht, kann auch den schönen Saale Holzland Kreis erkunden und viele Sehenswürdigkeiten bestaunen.


steurer tremalzo 1

Heute geht es mir gut

Aus der Sicht von heute kann ich voller Stolz sagen, dass es mir gut geht und ich all meine Ziele die ich mir immer wieder gesetzt hatte, auch erreicht habe. Somit kann ich meinen Alltag trotz des Zeitaufwandes den ich benötige, um meine Narben zu pflegen und um die Beweglichkeit so gut wie es geht aufrecht zu erhalten, mein Leben überwiegend genießen.

Im April 2013 habe ich eines meiner vorerst 3 letzten großen Ziele erreicht. Ich habe ein Studium zum Techniker Fachrichtung Maschinenbau mit großem Erfolg abgeschlossen. Dadurch habe ich mir die Möglichkeit erschaffen, trotz meiner schweren Verletzungen wieder arbeiten gehen zu können und mich in einem neuen Berufsfeld erfolgreich einzusetzen. Mein neues Aufgabengebiet befindet sich in der Firma, in der ich zuletzt gearbeitet hatte und in der ich auch den Arbeitsunfall erlitten habe.

In meiner Freizeit betreibe ich gerne Sport, von MTB und Rennrad fahren bis zum wöchentlichen Besuch im Fitnessstudio. Aber am aller wichtigsten ist mir, viel Zeit mit meiner 9 -jährigen Tochter zu verbringen, was leider in den letzten 6 Jahren kaum möglich war.

Alexander Steurer       

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