"Das Recht zum Anderssein legitimiert sich in dem Empfinden für das Recht eines jeden anderen."
(Leo Baeck)

 

Schicksalsbericht Jana Urban

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Mit 21 Jahren änderte sich Janas Leben von einem Moment zum anderen. Bei einem Wohnungsbrand im August 2009 in Berlin erlitt sie Verbrennungen II. und III. Grades an 40 % der Körperoberfläche und eine schwere Rauchgasvergiftung.

Im Oktober 2011 erschien ihr autobiografisches Buch "Feuertaufe" bei der Deutschen Literaturgesellschaft.

Überraschung findet statt, wo man es nicht erwartet hat

In der Nacht zuvor herrschte ausgelassene Stimmung. Wir tanzten, lachten und ich wollte die Zeit still stehen lassen. Dann fuhren wir nach Hause und ich träumte - angsteinflößende, lebensbedrohliche Träume einige Wochen lang. Bis ich aus dem künstlichen Koma erwachte und sich in der Aufwachphase Realität mit Halluzinationen vermischte.

Durch einen defekten Kühlschrank geriet am 02. August 2009 eine Wohnung einige Etagen unter uns in Brand, die Frauen flüchteten aus der Wohnung und ließen die Tür offen stehen. Ein Kamineffekt war die Folge und das Feuer breitete sich schnell im Treppenhaus aus. Meine Freundin weckte mich, das Feuer war mittlerweile direkt an unserem Fenster. Wir flüchteten orientierungslos ins brennende Treppenhaus. Claudia schaffte es bis ganz nach unten, wo sie buchstäblich einem Feuerwehrmann in die Arme lief, ich hingegen wurde bewusstlos unter dem Dachstuhl gefunden und musste reanimiert werden.

jana urban vor unfall

Und plötzlich war alles anders 

Ergebnis waren in meinem Fall knapp vier Wochen Koma, eine schwere Rauchgasvergiftung und 40 % verbrannte Körperoberfläche. Betroffen waren Arme, Hände, Dekolletee und die Beine. Als ich das Ausmaß meiner Verletzungen das erste Mal zu Gesicht bekam, war ich angeekelt und verzweifelt. Doch viel schlimmer waren all die anderen Einschränkungen - anfangs wurde ich noch intubiert; da ich nicht einmal allein atmen konnte, brauchte man vom Essen, Waschen oder gar Laufen gar nicht erst sprechen. Doch meine Entwicklung verlief relativ gut. Nach sieben Wochen wurde ich mit einigen Restdefekten auf die Normalstation verlegt und konnte mich schon einigermaßen selbstständig bewegen. Die tägliche Übung, Pflege und Disziplin half mir dabei enorm.

Schon im Krankenhaus spürte ich neben der Trauer und Wut eine unendliche Dankbarkeit, noch am Leben zu sein -  ich hatte meine Familie, Freunde, einen Mann, der mich liebte, und meine Ausbildung, die ich nach einiger Zeit fortsetzen würde. Und als ich im Park des UKB beobachtete, wie das Sonnenlicht in den Bäumen spielte, war ich glücklich.

Einen Schritt nach vorn und zwei zurück

jana urban nach unfall

In den kommenden Wochen in der Reha machte ich viele Fortschritte, am Ende stieg ich Treppen, konnte wieder Spaziergänge unternehmen und lernte, meine Kompressionswäsche allein anzuziehen. Außerdem lernte ich dort Leute kennen, die das Leben wieder schön erscheinen ließen.

Die Rückkehr in mein altes Zuhause fiel mir wesentlich schwerer. Ständig stieß ich an meine physischen Grenzen, fuhr von einer Therapie zur nächsten und war oft krank. Mein immer wieder offenes Knie bereitete mir lange Probleme und langsam begann ich, meine äußerlichen Veränderungen bewusster wahrzunehmen. Mit 21 Jahren würde ich nie wieder einen Minirock tragen und auch Oberteile mit Ausschnitt wären in Zukunft wohl tabu. Bei jedem unvertrauten Geräusch oder Geruch bekam ich Herzrasen und konnte nicht schlafen. Obwohl meine Freunde sich wirklich bemühten, für mich da zu sein, fühlte ich mich oft unverstanden und allein.

Am Ende wird doch alles gut

Doch mit der Wiederaufnahme meiner Ausbildung wurde es langsam besser. Bewegungseinschränkungen gab es kaum noch, die Kompressionskleidung gehörte inzwischen zu mir und mit der Arbeit hatte ich auch den Alltag wieder, der mich ablenkte. Nach und nach lernte ich, meine Narben nicht vor mir oder der Öffentlichkeit zu verstecken, denn das Wichtigste war: Ich habe überlebt. Es dauerte einige Zeit, doch mittlerweile bin ich dankbar für den Unfall, für reifere Einsichten über das Leben, für neue herausfordernde Aufgaben und für ein neues Selbstwertgefühl, dass heute größer ist als je zuvor.

Jana Urban, Oktober 2013 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

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